Wie Bild einmal keinen Schatz fand – Teil 2

Derjenige, der nicht über BILDblog hierher gelangt ist, sollte sich dort Teil 1 anschauen, bevor es hier mit Teil 2 weitergeht. Im Gegensatz zu den meisten anderen Artikel dieses Blogs lasse ich für diesen die Kommentare offen, falls es noch Nachfragen zu den Details gibt.

For all non-German visitors: This is part 2 of an article that was published at German bildblog.de. We will publish this same article again on English in a few days. Until then feel free to have a look at the “raw” information here.


Rittstiegs Theorie genauer beleuchtet

Wie in Teil 1 angesprochen, möchte ich genauer auf die Theorie Joachim Rittstiegs eingehen und im Detail betrachten. Ziel dieser Betrachtung ist, zu evaluieren, was an dieser Theorie dran sein kann. Für die genaue Untersuchung der von Rittstieg untersuchten Seite im Codex Dresdensis holte ich mir Hilfe in Form von zwei deutschen Mayanisten.

Nach Rittstieg liegt im Izabal-See unter einer Schlammschicht nichts anderes als Atlantis, die sagenumwobene Stadt. Rittstieg nennt sie Atlan und behauptet, dies wäre der Name der alten Maya-Hauptstadt gewesen. In Atlan/Atlantis wiederum steht ein steinerner Sarkophag mit 2.156 goldenen Tafeln. Diese Stadt ging am 30. Oktober 666 v. Chr. unter, tauchte gegen 150 n. Chr. langsam wieder auf und wurde neu besiedelt – von Wikingern. Sie ging am 14. September 1224 n. Chr. wieder unter. Er sieht in verschiedenen Inschriften Beweise dafür, dass die Wikinger Amerika nicht nur besucht, sondern auch besiedelt haben.

Dies alles will Rittstieg durch die Entschlüsselung des Codex Dresdensis, einer der wenigen erhaltenen Maya-Handschriften, der Lektüre von Platons Atlantis-Beschreibung, Gesprächen mit drei Maya-Priestern, sowie durch die Neuübersetzung der Edda aus dem Alt-Nordischen herausgefunden haben. Nach Rittstieg ist Atlantis identisch mit Asgard aus der Edda. Kukulkan (Gott der Auferstehung bei den Maya) war eine reale Person, nämlich Max Kukulcan, der in der Edda “Thor” genannt wird. Gestützt wird seine Theorie durch Satelliten- und Sonaraufnahmen, auf denen ringförmige Bauwerke auf dem Grund des Sees zu sehen sind. Sogar die Schatzkiste lässt sich bis auf 10cm Genauigkeit lokalisieren.

Wer sich Rittstiegs Theorie im Original anschauen möchte, der kann das unter http://www.asgard-atlan.de/ tun, woher auch ich auch meine Informationen zu seiner Theorie habe. Von den angesprochenen Sonar- und Satelliten Bilder hat die Öffentlichkeit, zumindest im Zuge der aktuellen Ereignisse, noch nichts gesehen.


Maya-Gold

Wichtig zum besseren Verständnis der Gold-Problematik ist eine ungefähre Vorstellung der zeitlichen Dimension. Man teilt die vorkolumbianische Geschichte in verschiedene Epochen ein. Die für uns wichtige Epoche der Präklassik beginnt um 1500 v. Chr. und endet etwa 100 n. Chr. Danach folge die Klassik, die bis ins Jahr 1000 reicht. Die Postklassik schließlich deckt die restliche Zeit bis etwa 1500 ab, als die Spanier mit der Unterwerfung begannen.

Nach Rittstieg haben die Maya also im Jahre 666 v. Chr. 2.156 goldene Tafeln mit ihren Gesetzen besessen, bei einem Gesamtgewicht von acht Tonnen. In der Chronologie Mesoamerikas fällt das Datum in die sogenannte mittlere Präklassik.

Archäologische Funde sehen bisher keinen Beweis und nicht einmal einen Hinweis dafür, dass die Maya vor der Postklassik regelmäßig mit Gold gearbeitet hätten. Zwar gibt es eine Handvoll Funde aus der Klassik-Epoche, es handelt sich dabei aber um bedeutungslose Gegenstände. Wenn etwas für die Maya von Bedeutung war, dann vor allem Jade, aus der sie Schmuck und Waffen herstellten.

Gold zu finden wäre überhaupt unwahrscheinlich, aber eine Menge von acht Tonnen, knapp 1.500 Jahre bevor man überhaupt Gold nutzte – das ist reinstes Wunschdenken.


Der Codex Dresdensis

Der Codex Dresdensis ist wertvoll, denn er ist eine der wenigen, erhaltenen vorkolumbianischen Handschriften der Maya. Er wurde wahrscheinlich um 1200 herum geschrieben, also fast 2000 Jahre nach dem angeblichen Untergang Atlantis’. Auf einer Seite des Codex Dresdensis will Rittstieg einen Hinweis auf das Maya-Gold gefunden haben, schreibt BILD. Dieser Hinweis liegt vor in Form einer Glyphe, einem Schriftzeichen.

Das angebliche Stadtwappen von Atlantis/Tula
Quelle: Homepage Roachim Rittstieg

Diese Glyphe soll das Stadtwappen von Tula zeigen, also Atlantis in seiner zweiten wikingischen Version. Es soll “Drei Ringe und einen Turm mit einer Goldenen Kugel” zeigen. Dieses Zeichen wurde Rittstieg nach eigenen Angaben von drei Maya-Priestern beschrieben. Und in der Tat fand er ein ähnliches Zeichen auf einer Codex-Seite:

Die Glyphe, die Rittstieg als Stadtwappen identifiziert hat

Kann also doch etwas an seiner Theorie dran sein? Denn mit der Übereinstimmung dieses Zeichens mit dem Stadtwappen steht und fällt ein Hauptelement in seiner Theorie. Hilfe bei der Interpretation der Codex-Seite bekam ich in Form von Jens und Mario, 2 Mayanisten, die die Seite http://www.faszination-maya.de/ betreiben.

Es handelt sich bei dieser Glyphe um eine sehr bekannte, nämlich um eine Tagesglyphe aus dem Tzolkin-Kalender. Das ist ein Kalender mit 260 Tagen und jeder dieser Tage hat eine ihm entsprechende Glyphe. Diese hier ist 1 Akbal (1 Nacht). Im Kontext steht die Glyphe auf einer sogenannten Finsternisstafel, also einer Seite, die sich mit Mond- und Sonnenfinsternissen beschäftigt. Das erfordert Datumsangaben und daher erwarten wir naturgemäß eine Menge solcher Tagesglyphen. Und die finden wir auch:

Lustiges Spiel: Finde die Glyphe!

Das ist die Seite in ihrer ganzen Pracht. Unsere Glyphe findet sich vertikal mittig auf der linken Seite in einem 3×5-Raster aus Tagesglyphen. Die bezeichneten Tage haben jeweils einen Abstand von 15 Tagen zueinander, dem kürzesten Abstand zwischen zwei Finsternissen.

Außerdem finden wir sie auf der rechten Seite in Verbindung mit einem Datum, nämlich dem 27.11.755 – nach Christus. Das Datum zeigt also garantiert nicht den Untergang Atlantis’, weder in 666 v. Chr. noch 1224 n. Chr.

Am Codex Dresdensis ist schon vieles erforscht, aber einiges immer noch unklar. Insgesamt kann man ihn als Buch mit astronomischen und astrologischen Berechnungen beschreiben. Es gibt in ihm aber keinen Code irgendeiner Art, den man entschlüsseln müsste. Zumal die Aufzeichnungen von Sonnenfinsternissen und Venusjahren so detailliert beschrieben sind, dass da wohl kaum noch Platz wäre, eine genaue Ortsangabe und den Bericht über den Untergang einer Stadt zu beschreiben. Die Codex-Seiten sind 21cm auf 9cm groß und haben damit exakt das gleiche Format wie Rittstiegs vermutete Goldtafeln.


Details zum Schatz, wie BILD ihn präsentierte

Wer bei der Beschreibung des Gold-Aspektes in Teil 1 gut aufgepasst hat weiß schon, warum die goldenen Masken, die Bild als Schatz vorstellt, garantiert nicht der Schatz sein können. Die Masken sind aus dem 14. Jahrhundert, der Epoche der Postklassik. Und sie sind nicht mayanisch, sondern mixtekisch. Mixteken sind keine Maya, so wie Deutsche keine Franzosen sind. Natürlich gibt es gewisse kulturelle Verknüpfungen, aber ein etwaiger Schatz aus der mittleren Präklassik sähe definitiv anders aus.


Copán

Die Expedition fuhr statt zum Izabal-See erst einmal nach Copán, einer alten Maya-Stätte. BILD erklärte, es gäbe dort Hinweise auf den Schatz; das auf dem See patroullierende Militärboot lässt man unerwähnt. So hatte BILD aber die Möglichkeit ein wunderbares Video von Copán zu produzieren, das leider mit haarsträubenden Fehlern gefüllt ist. Hat denn niemand vor Ort ein Smartphone, um mal auf Wikipedia nachzuschauen, was man über Copán schon weiß? Copán ist sehr gut untersucht – immerhin ist es Weltkulturerbe der Unesco – und es finden sich dort keinerlei Hinweise auf Atlantis. Wenn man bedenkt, dass Copán erst 800 Jahre nach dem angeblichen Untergang Atlantis’ überregionale Bedeutung erlangte, wäre ein Fund von Hinweisen wieder sehr überraschend.

Der Bericht aus Copán war so ziemlich die einzige Gelegenheit, zu der Herr Rittstieg mal etwas Konkretes aus seiner Theorie zum Besten gab. Was er da allerdings zeigte war so ungeheuerlich, dass sogar dem einfachen Wikipedia-Leser die Worte fehlen.

Zu den 16 eingemeißelten Figuren auf dem Altar Q sagt er, dass sie Boten darstellten, die den Codex Dresdensis zu anderen Städten brächten. In der Tat halten die 16 Figuren jeweils eine Schriftrolle in der Hand.

Detailaufnahme von Altar Q
picture: HJPD/wikimedia.org/cc-by-sa

Diese Schriftrollen sind allerdings eigentlich Reichsinsignien und werden verwendet, um den amtierenden König abzubilden. Und tatsächlich sehen wir auf dem Altar Q die einander zeitlich folgenden Könige von Copán mit ihren Reichsinsignien. Da gibt es kein Geheimnis; wir kennen sogar die Daten und Namen jedes Königs. Der älteste König ist Yax K’uk’ Mo’, der zweite Yax Pac, usw. Yax K’uk’ Mo’ identifiziert Rittstieg übrigens mit Max Kukulkan, einem Wikinger, der mit Kukulkan, einer Maya-Gottheit, aber auch mit Thor und Baldur identisch ist. Dazu später mehr.

Zur berühmten Hieroplyphen-Treppe erzählt er, dass dort der Codex Dresdensis eingemeißelt wäre. Das ist falsch. Von den 15 unteren Stufen, die noch in der Originalkonfiguration erhalten sind wissen wir, dass die Hieroglyphen die Geschichte Copáns, seiner Könige und anderer wichtiger Personen beschreibt. Da gibt es keinen Codex Dresdensis.

In ganz Copán wird nirgends eine Stadt namens Atlan/Atlantis/Asgard/Tula erwähnt, was aufgrund deren angeblichen Wichtigkeit jedoch der Fall sein müsste. Es gibt keine Hinweise auf sie, wohl aber auf Quirigiá, eine andere Maya-Stätte, gar nicht weit vom Izabal-See. Es ist also nicht so, dass Copán einfach nichts aufgeschrieben hätte. Es ist allerdings wirklich merkwürdig, dass Herr Rittstieg elementarste Dinge nicht wissen soll, obwohl er 40 Jahre lang die Maya studiert hat.


Das Grundstück von Frau Dieguez/Dieges

Etwas am ersten Besuch am Izabal-See ist besonders bemerkenswert:

Die Besitzerin des Privatgrundstücks auf dem BILD taucht, heißt bei BILD “Carol Dieguez”. In Rittstiegs Chronologie (geschrieben von Manfred Kamp) im Eintrag 1987 heißt sie allerdings “Caroline Dieges”. Es scheint sich also um das gleiche Grundstück und die gleiche Frau zu handeln, die Rittstieg schon vor 23 Jahren besucht hat.

Über das Grundstück schreibt Rittstieg er habe dort 1987 “die Trasse der alten Brückenzufahrt zur versunkenen Hauptstadt […] entdeckt.” 1990 fand er dort außerdem nach eigenen Angaben “eine antike Wasserleitung, Brückenreste” und in 2002 [d]ie „heiße Quelle“ Platons […] und auch die antiken Wasserleitungen”. Er fand zweimal die Wasserleitungen; auf dem gleichen Grundstück, auf dem Bild am 07. März getaucht ist und ein Video gedreht hat, sogar mit der gleichen Besitzerin. Dennoch werden diese ungeborgenen Fundstücke mit keinem Wort erwähnt, geschweige denn gezeigt. Es wird von dickem Schlamm gesprochen, der allerdings Dinge am Ufer nicht betreffen kann.


Wikinger und Kukulkan

Es gibt weitere kuriose Aspekte in Rittstiegs Theorie und die ist – das sollten wir nicht vergessen – die Theorie, die BILD ihm glaubte.

Ein Indiz dafür, dass die Wikinger im heutigen Guatemala waren, ist nach Rittstieg der Name des Gottes Kukulkan. Der war so etwas wie der Hauptgott der späten maya. Die Azteken nannten ihn Quetzalcoatl. Rittstieg behauptet nun, er wäre eine historische Figur gewesen, nämlich Max. Der war Wikinger, hieß eigentlich Max, und ist identisch mit Thor und Baldur, den nordischen Sagengestalten. Seine Erklärung, wie Max zum Nachnamen Kukulkan kam ist so außerordentlich haarsträubend, dass mir die Worte zum kommentieren fehlen. Kukulkan = “(Der Mann, der im Kahn ankam und sich durch den Ruf “Kuckuck” mit seinen Kriegern im Urwald verständigte.)” (Quelle)
Kuckuck-Kahn, Kukulkan, logisch.


Die Zuyua-Sprache

Ein weiteres merkwürdiges Detail ist die Tatsache, dass sich Rittstieg mit drei Maya-Priestern in einer Sprache namens Zuyua Than (wörtlich Zuyua-Sprache) unterhalten konnte. Rittstieg lebte sechs Jahre lang in El Salvador und hat in dieser Zeit sogar eine Maya-Sprache (Quiché) gelernt. Das allein ist bemerkenswert, besonders wenn man bedenkt, dass Quiché in El Salvador gar nicht gesprochen wird (gesprochen werden Kekchí und Nawat). Zuyua Than ist aber noch einmal etwas ganz anderes.

Bisher kannte ich diese “Sprache” als eine Art Geheim- oder Symbolsprache der Maya-Herrscher, die sich mit ihr zur Herrschaft legitimierten, wie man im Chilam Balam de Chumayel nachlesen kann. Es ist also eine Code-Sprache aus Wendungen und Rätseln, aber keine eigene Sprache. Ganz so, wie eine Fachsprache in einer akademischen Disziplin immer noch Deutsch ist.

Rittstieg aber erklärt Zuyua Than so:
“(Das ist eine Alt-Nordische Sprache, die schon bei der Ankunft der Spanier existierte und die in überraschender und unerwarteter Weise meiner Muttersprache “Angeliter Platt” sehr ähnlich ist.)” (Quelle)
Ähnlich Manfred Kamp (eine Art Partner?) über Rittstieg:
“Seine Muttersprache Angeliter Platt und das Zuyuá than (Sprache der „Maya-Weisen“) sind fast identisch.” (Quelle)

Ich möchte diese Behauptung ganz deutlich verstanden wissen, denn Rittstieg erhielt viele seiner Informationen von den drei Maya-Priestern: Zuyua Than soll nicht nur eine eigene Sprache gewesen sein, sondern auch noch sehr ähnlich bzw. identisch mit dem Angeliter Platt. Zur Bewertung dieser Behauptung stelle ich beide einmal gegenüber:

Angeliter Platt:
De chute Chegend, wo de chrossen cheelen Cheorchinen chanz chräsig chut chedeien
Die gute Gegend, wo die großen gelben Georginen besonders gut gedeihen (Wikipedia, weitere viel aussagekräftigere Beispiele hier und hier)

Zuyua Than:
He ix yax balam culaan yokol, u kikic u kikele, lay yax ic, balam yanie.
Hier ist der grüne Jaguar, obenauf sitzend. Es ist grüner Chili, er ist sehr scharf. (Quelle)

Der geneigte Leser möchte sich bitte ein eigenes Urteil über die Verwandschaft der beiden Sprachen bilden, ohne dass ich es weiter kommentiere.


Verschwörungstheorien

In kaum einer guten Story kommt man heutzutage ohne Verschwörungstheorie aus. Und auch hier klingt eine solche an. Nicht bei Rittstieg direkt, aber er fragt sich schon, weshalb er der einzige war, dem diese Punkte und noch viele andere in seiner Theorie aufgefallen sind. Alle Merkmale, die auf Atlantis zutreffen müssten, wären in dieser Geschichte erfüllt, meint er. “Das hat leider bis heute noch niemand (außer mir) bemerkt …” (Quelle)

Im ersten Teil stellte ich ein Zitat der deutschen Mesoamerikanisten vor:
“Archäologen haben bislang in mühevoller Aufklärungsarbeit vor Ort immer wieder
darauf hingewiesen, dass die antiken Maya-Stätten keineswegs Goldschätze enthielten,
und mussten zudem mit Gerüchten kämpfen, sie würden Schätze illegal außer Landes
schaffen. Die BILD-Goldsuche macht diese Arbeit mit einem Schlag zunichte und schadet
dem Ansehen deutscher Wissenschaftler und dem gesamten Land in Guatemala und
darüber hinaus.”

Es gibt offenbar Menschen, die solche Gerüchte hartnäckig am Leben halten. Aber wer könnte Fragen stellen, wie:
“Was weiß man im „Weißen Haus“ in Amerika über ATLANtis und die GOLDENEN
TAFELN und wie und von wem wurde der Fundort verifiziert?“

“Weshalb wird das Wissen über ATLANtis von den führenden Wissenschaftlern über
Altamerikanistik zurückgehalten – trotz genauer Kenntnis?”

(Quelle, S. 2)
Die Website http://www.edda-online.de/ vom oben genannten Manfred Kamp.


Schlussfolgerung

Es ist nicht nachvollziehbar, wie eine solche Theorie irgendjemanden überzeugen sollte, eine Schatzsuche zu organisieren. Selbst BILD hätte hier stutzig werden sollen. An allen vorgestellten, entscheidenden Stellen bricht Rittstiegs Theorie in sich zusammen und präsentiert sich als etwas völlig anderes: ein Wunschdenken, eine Illusion, ein Hirngespinst, dem Joachim Rittstieg leider offenbar schon 40 Jahre hinterherjagt. Seine Kenntnisse um die Maya sind schlichtweg falsch. Seine Codex-Berechnungen erweisen sich, selbst für den Anfänger in der Maya-Forschung, als grobe Fehlinterpretation.

Ich sehe mich sowohl durch die Aussagen der beiden Mayanisten Jens und Mario, den deutschen Mesoamerikanisten, als auch den guatemaltekischen Instituten bestätigt, wenn ich sage, dass im Izabal-See keine Kiste mit goldenen Tafeln liegt. Man könne zwar die Position der Kiste auf 10cm genau bestimmen (BILD gibt sogar Koordinaten), behauptet Rittstieg, die Beweise dafür bleibt er allerdings schuldig.

Rittstieg schreibt selbst: “Ein angeblicher Mythos endet erst, wenn die Realität ihn einholt …”
Ich meine, genau das ist in den letzten Tagen passiert. Die Realität holte Herrn Rittstieg ein und ich hoffe, er und BILD ziehen die richtigen Konsequenzen daraus.

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15 Responses to Wie Bild einmal keinen Schatz fand – Teil 2

  1. Jörg says:

    als altnordist ist beim lesen dieses artikels und der seite des herrn r. etwas in mir zerbrochen. aua

  2. BloodyFox says:

    Hallo, schöner Artikel. Allerdings haben sich hier und dort ein paar Fehler eingeschlichen:

    Der 1. Satz unter der Überschrift “Copan” müsste nochmal überarbeitet werden, damit man ihn verstehen kann.
    Die Überschrift zum Grundstück der Besuchten Frau soll bestimmt “Dieguez/Dieges” heißen, anstatt dass derselbe Name 2x hintereinander steht.

    Zum Vergleich der beiden Sprachen miteinander: Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass zwischen den beiden Sprachen (zumal es sich beim Platt wahrscheinlich vielmehr um einen Dialekt handelt) irgendein Zusammenhang bestehen soll. Allerdings weiß ich nicht, warum du hier zwei völlig verschiedene Sätze gegenüberstellst. Also ich kann mir schon vorstellen, dass du das gemacht hast, weil du in den Quellen nicht einunddenselben Satz in beiden “Sprachen” gefunden hast, aber so lassen die sich kaum vergleichen.

    Theoretisch kann es ja sein, dass die “Sprachen” sich doch sehr ähnlich sind, hinsichtlich grammatischer Kategorien, Syntax, Verbgebrauch usw., aber da ich zumindest bei der Maya-Sprache nicht sehe, was da das Prädikat (wenn es denn eines gibt), das Subjekt, Objekt usw. sein soll, kann ich mir darüber kein Urteil bilden. Natürlich sehen die Wörter ganz anders aus – aber wenn man annehmen könnte, dass sie im Grunde ohne größere Bedeutungsverschiebung dasselbe meinen würden wie im Platt-Dialekt, dann könnten sich diese “Sprachen” doch sehr ähnlich sein. Nicht, dass ich diese hanebüchene Konstruktion glauben würde, aber deine Beweisführung schwächelt hier etwas.

    Grüße

    • judugrovee says:

      Hallo BloodyFox,

      vielen Dank für die Hinweise und den Kommentar. Sowohl der Name, als auch der erste Satz im Copán-Abschnitt sind angepasst.

      Deine Vermutung zum Sprachvergleich ist korrekt: Tatsächlich fehlten mir übereinstimmende Quellen. Ich habe bereits einen Sprecher des Angeliter Platts verschiedene Sätze aus dem Chilam Balam de Chumayel gesendet, aber leider die Antwort nicht rechtzeitig erhalten.

      Diese Antwort wird natürlich keine direkte Übersetzung von Mayathan (das ist die eigentliche Sprache des Chilam Balam de Chumayel, also die Grundlage der Symbolsprache Zuyua than) in Angeliter Platt sein, sondern über Englisch laufen. Daher würde die Entkräftung nicht viel stärker – aber trotzdem möchte ich hier mehr Nachvollziehbarkeit herstellen.

      Wenn dich die Sprache – auch grade in Hinsicht auf Grammatik – weiter interessiert, schau mal auf Wikipedia oder Famsi nach. Dort gibt es auch einen Link zu einem Spanisch-Maya-Wörterbuch.

      Im Detail wollte ich das im Artikel nicht betrachten.

      Viele Grüße
      Daniel/Judugrovee

      • Florian Blaschke says:

        Der Satz aus Wikipedia ist Blödsinn: Was genau soll an “De gute Gegend, wo de grossen geelen Georginen ganz gräsig gut gedeien” (das kommt nämlich heraus, wenn man “ch” durch “g” ersetzt) bitteschön niederdeutsch sein? So gut wie nichts. Das ist allenfalls Standarddeutsch mit einem Angeliter Akzent. Die anderen Beispiele sind instruktiver: Da versteht man nämlich zuerst mal nur Bahnhof. Aber Standarddeutsch mit Akzent oder Missingsch sind kein Niederdeutsch, genausowenig wie Deutsch mit einem russischen Akzent und vielleicht ein paar eingestreuten russischen Wörtern Russisch ist.

      • judugrovee says:

        Hallo Florian,

        danke für den richtigen und wichtigen Hinweis, den ich auch im Text unterbringen konnte. Die verlinkten Beispiele sind tatsächlich weit aussagekräftiger; leider gab es dazu aber keine 1:1-“Übersetzung” und ich wollte nicht leichtfertig ein möglicherweise zu einfaches Beispiel nehmen. Darum verließ ich mich auf das Wikipedia-Beispiel.

        Viele Grüße
        Daniel/Judugrovee

      • Florian Blaschke says:

        Abgesehen davon ist der Typ natürlich ein Spinner hoch zehn. Ich würde ja gerne mal ein kleines Experiment mit dem Kerl veranstalten, dann würde man ja sehen, wie weit er im Ernstfall mit seinem Angeliter Platt wirklich kommt. Die Ähnlichkeit zwischen Niederdeutsch und einer Mayasprache ist ungefähr so groß wie die zwischen Bairisch und Mandarin-Chinesisch. Vielleicht kann ich mich mit meinem Heimatdialekt ja auch mit Chinesen unterhalten?😉

        Von Zuyua Than habe ich übrigens noch nichts gehört, obwohl ich mit einem Mayanisten befreundet bin. Es handelt sich also um eine Art Geheimsprache? So, wie das hier beschrieben ist, erinnert es mich an die in “Darmok” gezeigte Sprache (ggf. einfach mal danach suchen😉 ).

      • judugrovee says:

        Darmok and Jalad at Tanagra.😉 Ja, etwa so könnte man Zuyua Than einordnen. Es ist nicht viel darüber bekannt, aber seine Benutzung wird im erwähnten Chilam Balam de Chumayel beschrieben. Und zwar als eine Art Frage-Antwort-Spiel zur Legitimierung von Herrschern. Basissprache war Mayathan; Symbolsprache obenauf war Zuyua Than. Famsi.org hat einen tollen Artikel mit Originaltext, aus dem auch das obige Beispiel ist.

        Gruß
        Daniel/Judugrovee

  3. Jana says:

    Mir gefällt diese ausführliche Betrachtung des Themas sehr gut. Danke, dass du dir die Zeit für so eine ausführliche vernünftige Gegendarstellung genommen hast, das war bitter nötig! Ich hoffe, viele lesen es.🙂

  4. Pingback: Schätze, die es nie gab « Früher. Ein Blog für Geschichte.

  5. Florian Blaschke says:

    Ich frage mich, warum immer wieder so viele Leute auf solche schwachsinnigen Spekulationen aufspringen. Die Realität ist doch genauso faszinierend, wenn nicht sogar noch spannender als alle Fantastereien von Spinnern wie EvD! Gegen die echten Geschichten und Rätsel wirken die geradezu armselig. Man merkt, daß denen die Fantasie fehlt, sich die verwirrende Komplexität und Paradoxie der Wirklichkeit vorzustellen😉

  6. Xaerdys says:

    Danke. Ich liebe es, wenn jemand mit Informationen arbeitet – etwas das BILD quasi nie tut. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die das tatsächlich geglaubt haben. Das war entweder ne Art Freundschaftsdienst oder, wahrscheinlicher, billige Aufmerksamkeitshasche. BILD hat was sie wollen, mit Schatz oder ohne. Die Leser lesen das ne Weile mit Interesse und dann ist es für Bild abgehakt. Die haben ihre Auflage auf Kosten der redlichen Archäologen. Das ist das eigentlich Traurige.

  7. Wencke says:

    Nach einem Blick auf Rittstiegs Homepage stelle ich mir doch die Frage, wie ein MATHEMATIKER dazu kommt, die Edda aus dem ALTNORDISCHEN selbst zu übersetzen? Is klar…

    • judugrovee says:

      Das war auch eine meiner ersten Fragen in der Untersuchung. Die Antwort darauf gibt Rittstieg selbst (Quelle):
      “Joachim Rittstieg hat festgestellt, daß viele Wörter seiner altnordischen Muttersprache „Angeliter Platt“ ähnlich und manchmal sogar identisch sind mit „Alt-Isländischen“ Wörtern:”
      Zum Vergleich zum Alt-Isländischen, hier nochmal das Angeliter Platt. Das vereinzelt Wörter ähnlich klingen, mag man gar nicht bestreiten (vgl. kindir – Kinder), beide haben ja germanische Wurzeln, aber… “is klar”, wie du richtig sagst.

  8. nurmalso says:

    hier wird doch das einzige motiv für diesen unsinn offensichtlich:

    http://www.asgard-atlan.de/sponsor.htm

    aber BLÖD hat eine schöne räuberpistole draus gemacht.

  9. Pingback: Wissenschaftlicher Artikel betreffend die “Bild”-Schatzsuche – und TCMAM ist dabei | The Complete MesoAmerica… and more

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